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Jahrhundertealte Lotsentradition

- heute mit Fernsicht

Lotsen sind in Thiessow seit 1632 urkundlich belegt. Im Jahre 1859 wurde Thiessow wegen der günstigen natürlichen Bedingungen zur Hauptlotsenstation erklärt und nahm einen ungeahnten Aufschwung.

Die Ausübung des Lotsenberufes als freies Gewerbe fand nun ein Ende, die Lotsen wurden staatlich angestellte und festbesoldete Beamte. Durch einen Blick in alte Lotsenaufzeichnungen erfährt man, daß im Jahre 1863 insgesamt 655 Schiffe entweder in die Häfen des Binnenmeers zu bringen oder ins freie Meer zu geleiten waren. Eine Lotsung nach Stralsund nahm bei günstigem Wind 2 bis 3 Tage in Anspruch, bei widrigem Westwind konnten 14 TAge daraus werden. Dem Lotsen blieb dann nichts anderes übrig, als an Bord auszuharren. War schließlich das Schiff im Hafen angelandet, begab sich der Lotse auf den Rückweg, der von Stralsund zu Fuß nach Thiessow führte, was rund zwei Tage beanspruchte.
Im Jahre 1884 vergrößerte sich der Aufgabenkreis der Lotsenstation dadurch, dass der neuerbaute Lotsendampfer "Thiessow" in Dienst gestellt wurde. Ließ stürmisches Wetter die Abfahrt mit den Ltsenkuttern nicht zu, so lag der Lotsendampfer "Thiessow" fahrbereit unter Dampf und zeigte den Schiffen den Weg.
Auf dem 36 Meter hohen Lotsenberg wurde 1909 ein Lotsenturm erbaut, der eine Höhe von 11 Metern hatte. In seinem Gebälk befand sich ein Glockenstuhl und in diesem hing die Lotsenglocke, die Sie nun in der Ausstellung im "Haus des Gastes" in Thiessow besichtigen können. Der historische Lotsenturm mit Plattform und Ausstellungsraum, das Wahrzeichen von Thiessow, entstand 2003 wieder in alter Schönheit. Nach dem 1. Weltkrieg mußten viele Thiessower Lotsen den Dienst quittieren, und der 2. Weltkrieg bedeutete dann das Ende der Lotsentätigkeit, da englische Flugzeuge die Boddengewässer vermint hatten. Ganz und gar wurde die Lotsenstation dann 1949 aufgelöst, da alle Schiffsbewegungen über den Hafen Rostock abgewickelt werden sollten. Doch dann reichte ein Hafen für den ständig zunehmenden Warenverkehr nicht mehr aus, Stralsund bekam seinen Anteil an dem Seeumschlag von Gütern zugewiesen. Als der Hafen stark und lebensfähig aufblühte, bedingte dies auch wieder die Einrichtung einer neuen Lotsenstation in Thiessow. So blieb die Tradition bis in unsere Tage lebendig. Noch heute kann man täglich Schife beobachten, die vor dem Thiessower Oststrand auf Reede liegen und den Lotsen erwarten. Im März 2000 wurde die Lotsenstation in den Hafen Freest an der Peenemündung verlegt.

Quellenangabe:
Kurverwaltung Thiessow / Gastgeberkatalog

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