In jedem Frühjahr zieht der "Frühjahrshering" von den Gewässern Skandinaviens zum Laichen in der Greifswalder Bodden. Er ist seit alters her der "Brotfisch" der Fischer Südost-Rügens. Der geringe Salzgehalt der Bodden bedingt darüber hinaus einen großen Reichtum an Meeresfischen wie an Süßwasserfischen: Flunder, Hornhecht, Dorsch, Aal, Hecht, Zander und Barsch. Diese Fischer finden Sie auf den Speisekarten der ortsansässigen Gastwirte wieder. Plötz, Blei und viele andere Arten kommen auch zahlreich vor. Ebenso wie das Lotsenwesen besitzt auch die Fischerei in Thiessow bereits eine lange Tradition. In der Folge des 30jährigen Krieges war die Landwirtschaft völlig zum Erliegen gekommen. Die Thiessower Bauern verlegten sich auf den Fischfang, an dem die Kaufleute in Stralsund und Greifswald großes Interesse hatten. Die Kaufleute richteten entlang der Küste so genannte "Fitten" ein, in welchen die sofortige Verarbeitung des frischen Fisches vorgenommen werden konnte. Die Heringe wurden eingesalzen und damit für längere Zeit haltbar gemacht. Damals waren den Fischern Abgaben auferlegt, die ihre Einträge schmälerten. Für jenen an die Herrschaft zu entrichtenden Anteil des Fangs kam die Bezeichnung Matfisch auf. Gefischt wurde überwiegend mit dem großen Garn, einem über 200 Meter langen Netz, das aus einer Art Sack, dem Ramen und zwei riesiegen Flügeln bestand. Um das gewaltige Netz bewltigen zu können, waren acht Mann erforderlich. In den Anfängen der Fischerei standen die Fischer in einer Reihe am Strand und fertigten neue Netze aus Hanf, der während der Winterzeit von den Fischerfrauen versponnen worden war. Auf einer kleinen "Reeperbahn" am Südstrand mußte zuvor der Hanf zu kleinen Strängen zusammen gedreht werden, wofür die Fischer die Bezeichnung "Drellen" hatten. Der kleine Backsteinbau am Südperdweg - ein ehemaliger Fischerschuppen - markiert heute diesen historischen Ort.
Quellenangabe: Kurverwaltung Thiessow / Gastgeberkatalog |